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LEBENSNAHER CHEMIEUNTERRICHT

2.0
SUCHERGEBNISSE: 275
Chemie
Sekundarstufe II
Reaktionsgeschwindigkeit & Gleichgewichte
Störungen von Gleichgewichten und weltweite Folgen
Datum:

Wärmer, saurer, weniger aufnahmefähig?

Der Einfluss der Temperatur auf Gleichgewichtslage und Löslichkeit von Kohlenstoffdioxid

19.06.2026
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Gregor von BorstelGregor von Borstel
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Die Idee dahinterPDF

Die Idee dahinter

Ziele
Die Lernenden verstehen, dass die Temperatur als einziger Faktor die Gleichgewichtskonstante K selbst verändert, und können die Folgen einer Temperaturerhöhung für die CO₂-Löslichkeit experimentell belegen und modellhaft erklären.

Die Lernenden ...

  • führen Experimente zur Löslichkeit von CO₂ in Wasser unterschiedlicher Temperatur durch und leiten daraus den Zusammenhang zwischen Temperatur und Löslichkeitsgleichgewicht ab.
  • erklären, warum eine Temperaturerhöhung bei einem exothermen Lösungsvorgang die Rückreaktion begünstigt, und begründen dies über die Veränderung des K-Werts.
  • leiten aus Messdaten und wissenschaftlichen Prognosen (IPCC-Szenarien) ab, unter welchen Bedingungen die Ozeane ihre Funktion als CO₂-Senke verlieren könnten, und beurteilen die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen.
Beschreibung

Fokus: Diese Einheit führt die dritte Stör-Größe ein: die Temperatur. Der fachliche Kern ist, dass eine Temperaturänderung – anders als Konzentration und Druck – die Gleichgewichtskonstante K selbst verändert, weil der Lösevorgang exotherm ist. Daraus folgt, dass wärmeres Wasser weniger CO2 aufnimmt und die Ozeane vom Speicher zur Quelle werden können.

Vernetzung: Sie vervollständigt die Reihe der drei Stör-Größen (c, p, T) und ist die letzte exemplarische Einheit vor der Verallgemeinerung zum Prinzip von Le Chatelier. Die Antarktis-Studie mit den SSP-Szenarien verbindet die Chemie mit einer realen Zukunftsprognose und schlägt die Brücke zu den planetaren Grenzen und Kipppunkten.

Schrittigkeit: Von der eigenen Versuchsplanung über die Experimente zur temperaturabhängigen Löslichkeit (V1, V2) und die Modellbetrachtung der K-Änderung bis zur Anwendung auf die SSP-Szenarien. Die Abgrenzung „Q-Verschiebung bei c und p“ versus „K-Änderung bei T“ ist der entscheidende Denkschritt.

Lernprodukt: Eine Erklärung des Trugschlusses „die Meere setzen das Eingesparte ohnehin wieder frei“, gestützt auf die K-Änderung, sowie eine begründete Einschätzung, unter welcher Bedingung der Titel zutrifft. Beim Vorstellen benennen Lernende, dass die Ozeane nur bei drastischer Emissionsreduktion (niedriges SSP-Szenario) aufnahmefähig bleiben.

M1

Auch die Temperatur wird sich verändern

Weiteres

Bis jetzt haben wir außer acht gelassen, dass auch die Temperatur auf der Erde zur Zeit immer weiter steigt. Das könnte zu einem Kipppunkt führen.

Wie wir schon wissen, ist der Lösevorgang von Kohlenstoffdioxid exotherm.

gasförmiges Kohlenstoffdioxid löst sich in Wasser
Bildung von Kohlensäure
Protolyse von Kohlensäure
Weiteres

Ist die Löslichkeit von Kohlenstoffdioxid in Wasser bei unterschiedlicher Temperatur verschieden groß? Und welchen Einfluss wird dann eine Temperaturerhöhung auf ein bestehendes Löslichkeitsgleichgewicht haben?

Schutzbrille

Wie würdest Du dies untersuchen? Schlage einen prinzipiell geeigneten Versuchsaufbau vor.

Aufgaben

  1. Wir setzen V1 zusammen in der gesamten Lerngruppe an. Führen Sie parallel dazu V2 in Kleingruppen durch. Alternativ steht eine Videografie von V2 zur Verfügung.
  2. Legen Sie ein Versuchsprotokoll an. Halten Sie alle Beobachtungen aus V1 und V2 fest und schlussfolgern Sie, welchen Zusammenhang die Versuche zwischen der Temperatur des Wassers und der Löslichkeit von Kohlenstoffdioxid zeigen.
  3. Vervollständigen Sie die Vorlage zur Sicherung zu V1 mit geeigneten Pfeilen.
V1

Erhöhung der Temperatur einer Lösung von Kohlenstoffdioxid

Materialien
  • Schutzbrille
  • Becherglas 400 mL
  • Heizplatte mit Magnetrührer und Magnetkern
  • Thermometer
Chemikalien
  • Mineralwasser
  • Mischindikator Nr. 5 in Ethanol
    • auch Tashiro-Indikator, Farbumschlag bei ca. pH 5,2
Entsorgen und Aufräumen
  • Reste in den Ausguss geben und mit viel Wasser nachspülen.

  • Alle verunreinigten Labormaterialien spülen.

  • Alle Materialien an ihren Ursprungsort zurückstellen.

Aufbau und Durchführung
  • Das Becherglas wird zu etwa einem Viertel mit Mineralwasser gefüllt. Anschließend werden so viele Tropfen Indikator hinzugegeben, bis eine deutliche Färbung wahrnehmbar ist.
  • Das Becherglas wird auf der Heizplatte unter ständigem Rühren über mehrere Minuten auf ca. 50°C erwärmt
Vorlage zur Sicherung
V2

Lösen von Kohlenstoffdioxid in verschieden warmem Wasser

Materialien
  • Schutzbrille
  • 3 x Spritzen 30 mL
  • 3 x Spritzen 50 mL
  • 3 x Dreiwegehahn
  • Thermometer
    • zentral in den Bechergläsern
  • 3 x großes Becherglas
    • zentral befüllt
  • ggf. Isoliermaterial
Chemikalien
  • wässrige Lösungen unterschiedlicher Temperatur
    • enthalten Tashiro-Indikator, Farbumschlag bei ca. pH 5,2. Drei verschiedene Temperaturen, z. B. mit Eiswürfel auf 5°C; 25°C, mit Sieder auf max. 50°C sonst droht Verbrühungsgefahr
Ersatzweise

Kaltes Wasser1

Raumtemperatur1

Heißes Wasser1

Zusammenschau – Zugabe von Kohlenstoffdioxid zu Wasser unterschiedlicher Temperaturen1

Aufbau und Durchführung

Aufbau – dreimal ansetzen2

Eine Spritze wird mit 25 mL Wasser (Raumtemperatur) befüllt, die andere mit 30 mL Kohlenstoffdioxid.
Über den Dreiwegehahn wird das Gas zügig immer wieder durch das Wasser gedrückt, bis sich das Gesamtvolumen nicht mehr ändert. Das Gasvolumen über der Flüssigkeit wird abgelesen.
Der Versuch wird parallel mit deutlich kälterem und deutlich wärmerem Wasser durchgeführt. Dazu kann die 50 mL Spritze vorab mit einer Wärmeisolierung überzogen werden, damit sich die Wassertemperatur während des Versuchs möglichst wenig verändert.

Entsorgen und Aufräumen
  • Reste in den Ausguss geben und mit viel Wasser nachspülen.

  • Geräte mit Wasser spülen und an der Luft trocknen.

  • Alle Materialien an ihren Ursprungsort zurückstellen.

Modellhafte Auswertung

  1. Vollziehen Sie die Analogie in M2 nach und beschreiben Sie, was sich im Modell verändert, wenn die Temperatur erhöht wird.
    1. Gehen Sie dabei gezielt auf die Wurfhäufigkeiten von Mama (alternativ Papa) und Baby ein.
    2. Erklären Sie den Unterschied zu den Störungen durch Konzentrationsänderungen aus den vorherigen Einheiten: Was verändert sich dort – und was verändert sich hier? Nutzen Sie dazu die Begriffe Q und K.
  2. Erklären Sie auf dieser Grundlage anhand der Reaktionsgleichungen aus M1, warum eine Erwärmung der Ozeane deren Fähigkeit verringert, Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre aufzunehmen.
M2

Modellhafte genauere Betrachtung

Veränderung der Temperatur im Modell

Verändert man die Temperatur, verändert sich K. Dies zeigen vielleicht am besten die Analogie oder die animierten Diagramme.

Auch wenn es sich bei unserem Beispiel um gekoppelte Gleichgewichte handelt, können wir uns den Zusammenhang sehr leicht mit unserer Analogie und den Modellrechnungen erklären.

In den vorherigen Einheiten haben wir das Gleichgewicht gestört, indem wir Bälle hinzugefügt oder entfernt, also Konzentrationen verändert haben. Die Wurfhäufigkeiten von Mama und Baby blieben dabei gleich. K blieb gleich. Nur Q hatte sich verändert.
Bei einer Temperaturänderung ist das anders: Hier verändern sich die Wurfhäufigkeiten selbst – und zwar unterschiedlich stark. Papa und Baby werfen nicht mehr gleich oft wie vorher.

Diesmal werden nicht einfach Bälle hinzugefügt

Analogie zur Erhöhung der Temperatur3

Diagramme dazu

Das System befindet sich im Gleichgewicht und wird nach 5s gestört, indem die Temperatur verändert wird. Dadurch verändert sich das Verhältnis von k(P) zu k(B). In der Realität wird durch eine Temperaturerhöhung immer die endotherme Reaktion bevorzugt ablaufen. Hier profitiert das Baby mehr.

Veränderung der Temperatur im Modell

Verändert man die Temperatur, verändert sich K. Dies zeigen vielleicht am besten die Analogie oder animierte Diagramme

Auch wenn es sich bei unserem Beispiel um gekoppelte Gleichgewichte handelt, können wir uns den Zusammenhang sehr leicht mit unserer Analogie und den Modellrechnungen erklären.

In den vorherigen Einheiten haben wir das Gleichgewicht gestört, indem wir Bälle hinzugefügt oder entfernt haben – also Konzentrationen verändert. Die Wurfhäufigkeiten von Mama und Baby blieben dabei gleich. K blieb gleich. Nur Q hatte sich verändert.
Bei einer Temperaturänderung ist das anders: Hier verändern sich die Wurfhäufigkeiten selbst – und zwar unterschiedlich stark. Mama und Baby werfen nicht mehr gleich oft wie vorher.

Diesmal werden nicht einfach Bälle hinzugefügt

Analogie zur Erhöhung einer Konzentration auf Seiten von Mama3

Diagramme dazu

Das System befindet sich im Gleichgewicht und wird nach 5s gestört, indem die Temperatur verändert wird. Dadurch verändert sich das Verhältnis von k(M) zu k(B). In der Realität wird durch eine Temperaturerhöhung immer die endotherme Reaktion bevorzugt ablaufen. Hier profitiert das Baby mehr.

Was bedeutet das für die Weltmeere?

  1. Recherchieren Sie ggf. nochmal, wofür die Abkürzungen SSP1-2.6, SSP2-4.5, SSP3-7.0 oder SSP5-8.5 stehen. Notieren Sie in einem Satz, was ein Szenario aussagt.
  2. Werten Sie die Abbildung in M3 beispielhaft für mindestens eines der gezeigten Naturschutzgebiete aus. 
  3. Erklären Sie fachlich, warum Polarregionen wie die Antarktis besonders stark von Ozeanversauerung betroffen sind. 
  4. Lesen sie M4 und bewerten Sie ob dies eine gute oder eine schlechte Nachricht für Sie ist.
M3

Werden wir noch einmal konkret

Wir müssen energisch handeln!

Die Ozeane spielen eine entscheidende Rolle als CO2-Speicher, aber ihre Kapazität nimmt mit steigender Temperatur ab. Daraus ergibt sich eine Dringlichkeit des Handelns, denn mit steigender Temperatur werden die Ozeane

  • weniger Treibhausgase aufnehmen oder sogar welche freisetzen – also im schlechtesten Fall vom Speicher zur Quelle werden können,  
  • und teilweise irreversible Veränderungen durchlaufen, selbst wenn die Erwärmung später wieder abnimmt.4
Prognosen für den antarktischen Ozean laut einer Studie

prognostizierte Entwicklung des pH-Wertes je nach Szenario in Schutzgebieten nahe der Antarktis5

Was die Studie zeigt

In den antarktischen Küstengewässern befinden sich mehrere Meeresschutzgebiete (MPA), die eine außergewöhnliche Artenvielfalt beherbergen. Mithilfe von Computermodellen simulierten Forscherinnen und Forscher 2024, wie sich das Wasser des antarktischen Ozeans im 21. Jahrhundert verändern würde. Sie prognostizieren, dass bis zum Jahr 2100 in den oberen 200 Metern des antarktischen Ozeans – wo sich ein Großteil der Meereslebewesen aufhält – ein erheblicher Anstieg des Säuregehalts zu erwarten ist. Die Versauerung des Wassers ist eine ernsthafte Bedrohung für das Leben im Meer, da sie sich direkt auf kalkbildende Organismen wie Korallen, Krebstiere und Weichtiere auswirkt.67

M4

Szenarien verändern sich - Entwicklung Stand 2026

Weiteres

Die Abbildung und die Recherche-Aufgabe oben nutzen das ältere Vierer-Set SSP1-2.6 / SSP2-4.5 / SSP3-7.0 / SSP5-8.5  Die gute Nachricht: Nach dem Szenariensatz für CMIP7 (April 2026) gelten die beiden hohen Pfade SSP5-8.5 und SSP3-7.0 nicht mehr als plausible obere Standardpfade für das 21. Jahrhundert. Der Grund ist erfreulich – Erneuerbare Energien sind stark verbilligt, Klimapolitik greift, und die realen Emissionstrends tragen diese Extrempfade nicht mehr.8

Die schlechte Nachricht: Das ist keine Entwarnung. Das neue obere Szenario liegt weiterhin bei rund +3,5 °C (Unsicherheit über +4 °C), bei aktueller Politik steuert die Welt auf etwa +2,6 bis +2,8 °C zu, und eine dauerhafte Begrenzung unter +1,5 °C gilt nicht mehr als erreichbar – nur noch über einen zeitweisen Overshoot (vorübergehendes Überschreiten mit späterer Rückkehr). Die Versauerung der antarktischen Schutzgebiete bleibt eine ernste Bedrohung, und die hier gezeigte Studie behält ihre Aussagekraft.

Warum wir die alte Szenarien-Einteilung hier trotzdem stehen lassen: Man soll an dieser Stelle verstehen, dass die Wissenschaft ihre Szenarien laufend an neue Daten anpasst – und dass das kein Eingeständnis eines Fehlers ist, sondern normale Praxis. „Unplausibel geworden“ heißt nicht „falsch“ oder „widerlegt“: Eine Studie wie die hier gezeigte bleibt gültig, auch wenn eines ihrer Szenarien später anders eingeordnet wird. Szenarien sind eben keine Vorhersagen, sondern Was-wäre-wenn-Geschichten. Wer diesen Unterschied einmal durchschaut, erkennt auch, warum genau solche Anpassungen in der Öffentlichkeit gern zur Falschbehauptung „der Weltklimarat gibt zu, dass er sich geirrt hat“ umgedeutet werden – damit beschäftigt sich das Material Ein Fall aus 2026: Das ‚gestrichene‘ Klimaszenario.

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Der Einfluss der Temperatur auf Gleichgewichtslage und Löslichkeit von Kohlenstoffdioxid
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