Aufgaben
- Erstellen Sie eine Fallakte, in welcher Sie zeitlich sortiert
- notieren, was Mitarbeiter und Verantwortliche von Ölkonzernen wie z. B. Exxon intern über den Zusammenhang von CO2 und Klimaerwärmung wussten
- und im selben Zeitraum taten.
- Arbeiten Sie beispielhaft die Diskrepanz3 zwischen dem internen Wissen des Konzerns und der Handlungsweise heraus.
- Beurteilen Sie, inwiefern die Studie von Supran, Rahmstorf und Oreskes (2023) aus M3 die Behauptung entkräftet, das Verhalten von Exxon lasse sich mit „wissenschaftlicher Unsicherheit“ rechtfertigen.
Weitergedacht
- Am Ende steht die Frage: Wie hat man es geschafft, Zweifel zu säen, obwohl die Fakten klar auf der Hand lagen? Formulieren Sie eine erste Vermutung, mit welchen Mitteln ein Konzern Zweifel erzeugen kann.
Gesicherte Informationen zum Fall
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Unternehmen der Ölindustrie und speziell Exxon verfügten bereits früh über wissenschaftliche Erkenntnisse zum menschengemachten Klimawandel.
Bereits 1968 wurde im Auftrag des American Petroleum Institute ein Bericht verfasst, der vor erheblichen Temperaturveränderungen und schweren Umweltschäden durch steigende CO2-Konzentrationen warnte.6.
1977 informierte der Exxon-Wissenschaftler James F. Black das Management darüber, dass in der Wissenschaft bereits weitgehend Einigkeit darüber bestand, die Verbrennung fossiler Brennstoffe erhöhe die Konzentration von Kohlenstoffdioxid (CO2) in der Atmosphäre und beeinflusse dadurch das Klima. Black warnte vor erheblichen Folgen einer weiteren Erwärmung.7
In den folgenden Jahren investierte Exxon erhebliche Mittel in die Klimaforschung. Zwischen 1979 und 1982 wurden sogar auf dem Öltanker Esso Atlantic Messungen zum Austausch von CO2 zwischen Ozean und Atmosphäre durchgeführt. Gleichzeitig entstanden interne Klimamodelle und Prognosen8 zur zukünftigen Erwärmung.9
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Eine Zeitleiste zur Unterstützung10
Besonders bekannt wurde später ein internes Exxon-Dokument aus dem Jahr 1982. Darin wurde abgeschätzt, dass eine Verdopplung der CO2-Konzentration zu einer globalen Erwärmung von etwa 1,3 bis 3,1 °C führen könnte. Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass eine Begrenzung der Erwärmung wahrscheinlich eine Verringerung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe erfordern würde.11
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Im Jahr 1988 trug die Anhörung des Klimaforschers James Hansen vor dem US-Senat entscheidend dazu bei, den Klimawandel zu einem breiter diskutierten politischen Thema zu machen.12
Auffällig ist nun ein zeitlicher Zusammenhang: Zeitgleich veränderte sich die öffentliche Kommunikation13 von Exxon schrittweise. Während das Unternehmen zuvor umfangreiche eigene Klimaforschung betrieben und die Risiken einer CO2-bedingten Erwärmung intern dokumentiert hatte, rückten nun zunehmend vermeintliche „wissenschaftliche Unsicherheiten“ in den Vordergrund.
Gleichzeitig engagierte sich Exxon stärker mit Scheinargumenten in politischen Debatten, sprach sich gegen regulatorische Maßnahmen14 aus und beteiligte sich an Organisationen wie der Global Climate Coalition. Diese Lobbyorganisation mit beschönigendem Namen vertritt die Interessen energieintensiver Industrien gegenüber der Klimapolitik. In der Praxis wurde sie jedoch vor allem dafür bekannt, wissenschaftliche Unsicherheiten beim Klimawandel hervorzuheben und politische Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen abzulehnen oder zu verzögern.
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Eine Zeitleiste zur Unterstützung15
Spätestens Ende der 1990er Jahre wird diese Strategie in den Quellen deutlich sichtbar. So formulierte ein Strategiepapier des American Petroleum Institute (API) von 1998 sinngemäß das Ziel, in der Öffentlichkeit den Eindruck fortbestehender Unsicherheiten in der Klimaforschung zu verankern.
2015 wurde dies dann aber offenbar: sowohl Journalisten von Inside Climate News als auch von der Los Angeles Times veröffentlichten ihre umfangreichen Recherchen zu den internen Klimadokumenten von Exxon.
Die entscheidende Studie
Lange Zeit war übrigens unklar, wie gut die frühen Prognosen der Ölkonzerne tatsächlich waren.
Um zu prüfen, wie gut die Vorhersagen waren, werteten der Desinformationsforscher Geoffrey Supran, der Klimaphysiker Stefan Rahmstorf (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung) und die Wissenschaftshistorikerin Naomi Oreskes (Harvard) für ihre 2023 in Science veröffentlichte Studie alle bekannten Temperaturprojektionen16 aus, die Exxon-Wissenschaftler zwischen 1977 und 2003 erstellt hatten.1718
Das Ergebnis fiel deutlich aus: Zwischen 63 und 83 Prozent der Exxon-Projektionen stimmten mit der später tatsächlich gemessenen Erwärmung überein. Die im Mittel vorhergesagte Erwärmung von 0,20 °C pro Jahrzehnt traf den später beobachteten Wert von 0,19 °C pro Jahrzehnt nahezu exakt – eine Genauigkeit, die mit den besten akademischen Klimamodellen ihrer Zeit mithalten konnte und teilweise besser war als die berühmte Prognose des NASA-Forschers James Hansen vor dem US-Senat 1988.19
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Eine der entscheidenden Grafiken aus der Studie vereinfacht dargestellt20
Die interne Forschung des Konzerns war demnach Wissenschaft auf Spitzenniveau und die Diskrepanz zwischen diesem präzisen internen Wissen und der öffentlichen Kommunikation lässt sich keinesfalls mit wissenschaftlicher Unsicherheit erklären.
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Im Jahr 2024 befasste sich der US-Kongress mit der Ölindustrie. Am 1. Mai 2024 fand eine Anhörung statt.21
ExxonMobil war dort nicht als Zeuge vertreten – auf der Zeugenliste stand jedoch Sharon Eubanks, die einst im US-Justizministerium das Team gegen die Tabakkonzerne geleitet hatte.
Eine Verurteilung wie im Tabakfall gab es jedoch nicht – konnte es auch nicht: Eine Kongressanhörung ist kein Gerichtsverfahren. Der Kongress kann untersuchen, Dokumente per Vorladung anfordern und politischen Druck erzeugen, aber er kann keine straf- oder zivilrechtliche Verurteilung aussprechen.
Nachgedacht
Welches Signal wollten die Abgeordneten mit der Einladung von Sharon Eubanks vermutlich senden? Beziehen Sie ein, was die Tabakindustrie und die Ölindustrie in ihrer Kommunikationsstrategie gemeinsam haben.
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Die Abgeordneten verwiesen die Sache anschließend formell an das Justizministerium und beriefen sich dabei ausdrücklich auf den Tabakfall. Die juristische Frage ist bis heute offen.
Wie hat man es eigentlich geschafft, Zweifel zu säen, wo doch die Fakten so klar auf der Hand liegen?








