Aufgaben
- Lesen Sie die beiden Aussagen von Alexander Gauland in M1 und ordnen Sie die Aussagen den passenden PLURV-Mustern zu. Begründen Sie ihre Zuordnung mit konkreten Textstellen.
- Formulieren Sie eine sachlich korrekte Gegenrede in höchstens drei Sätzen. Sie soll nicht beleidigen, sondern den Denkfehler sichtbar machen. Nutzen Sie Und jetzt? Kontern!
Heute gibt es das auch noch
Entlarve folgende Desinformation
Die Muster der Desinformation, die wir im Fall ExxonMobil kennengelernt haben, sind bis heute in Gebrauch in politischen Reden, Wahlprogrammen und Medienauftritten. Manchmal fast wortgleich mit dem, was Ölkonzerne in den 1990ern in Zeitungsanzeigen schrieben. Hier ein Beispiel:
Ja, es gibt einen Klimawandel. Wir hatten früher Heißzeiten, wir hatten früher kalte Zeiten, längst vor der Industrialisierung. Wir glauben nicht, dass das sehr viel mit dem CO2-Ausstoß durch die Industrieproduktion oder durch menschliches Tun zu tun hat.1
Ich glaube nicht, dass es gegen den Klimawandel irgendetwas gibt, was wir Menschen machen können.2
Bevor du die Analyse aufklappst: welche Muster erkennst du bereits?
Analyse
Schau genau hin: Gauland sagt nicht, der Klimawandel existiere nicht. Er sagt, der Mensch habe nichts damit zu tun – und selbst wenn, könne der Mensch ohnehin nichts dagegen tun. Das sind zwei verschiedene Behauptungen, die sich logisch widersprechen: Wenn der Mensch keinen Einfluss auf das Klima hat, warum sollte dann eigens betont werden, dass er es auch nicht aufhalten kann? Und wenn der Mensch grundsätzlich keine Wirkung auf das Klima entfalten kann, wie konnte er es dann verursachen? Die beiden Aussagen funktionieren nicht als konsistente Argumentation, sondern als doppelte Absicherung: Egal welche der beiden Aussagen man akzeptiert – das Ergebnis ist dasselbe: nicht handeln. Das ist ein Logik-Fehler.
Die erste Aussage greift natürliche Klimaschwankungen der Erdgeschichte heraus – Warm- und Kaltzeiten gab es tatsächlich. Aber daraus zu schließen, der aktuelle Trend sei deshalb ebenfalls natürlich, ist Rosinen-Pickerei: Ein richtiger Teilaspekt wird so betont, dass der Gesamtbefund verzerrt wird.
Die zweite Aussage nutzt eine Unerfüllbare Erwartung: Handeln sei nur sinnvoll, wenn es den Klimawandel vollständig stoppen könne. Da das nicht möglich ist, sei auch kein Handeln nötig. Diese Erwartung legt niemand an andere gesellschaftliche Herausforderungen an – sie dient einzig dazu, Konsequenzen zu vermeiden.
Der entscheidende Punkt: Die beiden Aussagen führen zu Passivität. Dieses Muster haben wir im Fall ExxonMobil bereits kennengelernt.
In eigener Sache — warum dieses und die folgenden Beispiele?
Die Muster der Desinformation (PLURV) sind parteiunabhängig — wir prüfen das Argument, nicht das Parteibuch.
Das heißt aber nicht, dass wir von jeder Partei oder Person ein Beispiel suchen, nur damit es „ausgewogen“ aussieht. Denn die organisierte Leugnung des menschengemachten Klimawandels ist nachweislich in einem bestimmten Spektrum konzentriert — und das bilden die Beispiele ab. Würden wir so tun, als käme Klimaleugnung „aus allen Lagern gleich viel“, wäre das selbst ein Fehler: die False Balance (Falschausgewogenheit). Sie entsteht, wenn man einer breit abgesicherten wissenschaftlichen Position und einer Außenseiterthese künstlich gleich viel Raum gibt — und so den falschen Eindruck erweckt, die Forschung sei sich uneinig.
Die Muster selbst aber kennen kein Lager: wir zeigen dies bei ganz unterschiedlichen Sprecher:innen — von Parteien über ein selbsternanntes „Institut“ bis zu einer jungen Influencerin —, und auch bei anderen Themen, anderen Lagern und sogar bei Übertreibungen in Richtung Klimaschutz. Die Lehre ist einfach: Prüfe jede Aussage gleich streng — gerade die, der du zustimmst.
Aufgaben
- Wählen Sie max. 3 Beispiele aus M2 oder M3 aus. Analysieren Sie das Zitat:
- Was wird behauptet?
- Welches PLURV-Muster könnte dahinterstecken?
- Vergleichen Sie Ihre Lösung mit der Analyse und Einordnung. Ergänzen oder korrigieren Sie ggf. Ihre.
- Kontern Sie!
Ausgewählte Aussagen zum Klimawandel
Weiteres
Donald Trump kehrte im Januar 2025 ins Weiße Haus zurück und erklärte am ersten Amtstag den nationalen „Energienotstand“. Am 23. September 2025 hielt er vor der UN-Generalversammlung in New York eine Rede, die als bislang umfangreichste öffentliche Äußerung eines amtierenden US-Präsidenten zur Klimaleugnung gilt.
It’s the greatest con job ever perpetrated on the world, in my opinion. […] All of these predictions made by the United Nations and many others, often for bad reasons, were wrong. They were made by stupid people that have cost their countries‘ fortunes and given those same countries no chance for success. If you don’t get away from this green scam, your country is going to fail.
3
Diese Aussage verbindet drei Muster in einer kurzen Passage.
Der Verschwörungsmythos liegt im Vorwurf, Klimaprognosen seien „often for bad reasons“ erstellt worden – die Wissenschaft wird nicht widerlegt, sondern als böswillig motiviert dargestellt.
Der Logik-Fehler liegt darin, dass einzelne ungenaue Prognosen als Beleg gegen den gesamten wissenschaftlichen Konsens genutzt werden.
Die Rosinen-Pickerei liegt darin, dass ausgerechnet die Prognosen herausgegriffen werden, die fehlerhaft waren – während die internen Exxon-Modelle, die wir kennengelernt haben, den Temperaturanstieg mit bemerkenswerter Genauigkeit voraussagten.
Korrekte Einordnung in einem Satz: Der IPCC-Bericht 2021 hält auf Basis der Arbeit von tausenden Wissenschaftler:innen weltweit fest: „It is unequivocal that human influence has warmed the atmosphere, ocean and land“ – und viele zentrale Klimaprognosen der letzten Jahrzehnte, inklusive der internen Exxon-Modelle, haben sich als zutreffend erwiesen.4
Die AfD verabschiedete ihr Bundestagswahlprogramm 2025 im Januar 2025 auf dem Bundesparteitag in Riesa. Im Kapitel „Klima“ stellt sie den menschlichen Anteil am Klimawandel als wissenschaftlich ungeklärt dar, zweifelt die Modelle des IPCC an und beschreibt CO2 vor allem als nützlich für Pflanzenwachstum und Welternährung.
„Klimawandel gab es zu allen Zeiten. Er ist ein komplexes Phänomen, verursacht durch eine Vielzahl von Faktoren. Die Frage nach dem Anteil des Menschen an diesem ist wissenschaftlich ungeklärt. […]
Die Vorhersagen des IPCC basieren auf unzureichenden Modellen. Die Warnungen der sogenannten „Klimawissenschaft” hat sich von der in den 1970er Jahren prognostizierten Eiszeit zu einer aktuell behaupteten „Erderhitzung” komplett gedreht. Die tatsächlichen Beobachtungen der vergangenen 30 Jahre blieben weit unterhalb der damals prognostizierten Katastrophenszenarien. Im Gegenteil erweist sich CO2 als Treiber eines verstärkten globalen Pflanzenwachstums und begünstigt damit die Welternährung. […]
Die Schäden durch Extremwetterereignisse, wie beispielsweise im Ahrtal, gehen oft zurück auf politisches Versagen, mangelnde Instandhaltung und unzureichende Schutzmaßnahmen.“5
Muster der Desinformation: Die Passage verbindet mehrere typische Muster. Der Logik-Fehler beginnt mit einer richtigen Aussage: Klimawandel gab es tatsächlich schon immer. Daraus folgt aber nicht, dass der heutige Klimawandel nicht überwiegend menschengemacht ist.
Die Rosinen-Pickerei zeigt sich darin, dass CO2 einseitig als nützlich für Pflanzenwachstum dargestellt wird, während zentrale Folgen steigender CO2-Konzentrationen ausgeblendet werden: Erwärmung, Hitzewellen, Dürren, Starkregen, Meeresspiegelanstieg und Risiken für Ökosysteme und Ernährungssicherheit.
Der Hinweis auf eine angeblich in den 1970er Jahren prognostizierte Eiszeit erzeugt eine Scheinkontroverse: Einzelne Medienberichte und Minderheitenpositionen werden so dargestellt, als hätten sie den damaligen Forschungsstand bestimmt. Der verschwörungsnahe Charakter liegt darin, dass mit Begriffen wie „sogenannte Klimawissenschaft“ Zweifel an der Lauterkeit der Forschung geweckt werden, ohne konkrete fachliche Gegenbelege zu liefern.
Korrekte Einordnung in einem Satz:
Der IPCC-Synthesebericht 2023 hält fest, dass menschliche Aktivitäten, vor allem Treibhausgasemissionen, die globale Erwärmung eindeutig verursacht haben; zugleich zeigt die Forschungsgeschichte, dass es in den 1970er Jahren keinen tragfähigen wissenschaftlichen Konsens über eine bevorstehende Eiszeit gab.6
Fritz Vahrenholt ist ein deutscher ehemaliger Politiker (SPD), Chemiker, Buchautor und Manager. Er war von 1991 bis 1997 Umweltsenator in Hamburg, anschließend war er bei verschiedenen Energiekonzernen im Bereich der Erneuerbaren Energien tätig.
Vahrenholt bestreitet einen wissenschaftlichen Konsens zur menschengemachten globalen Erwärmung7
„Die Erderwärmung der letzten 150 Jahre [ist] Teil eines natürlichen Zyklus, der überwiegend von der Sonne geprägt wird. Die nächsten Jahrzehnte werden eher zu einer leichten Erdabkühlung als zu einer weiteren Erwärmung führen.“
— aus dem Buch Die kalte Sonne. Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning.8
Hier wirken gleich zwei Muster. Rosinen-Pickerei: Aus vielen Klimafaktoren wird die Sonnenaktivität herausgegriffen und zum Haupttreiber erklärt — obwohl die Sonnenaktivität seit Jahrzehnten keinen steigenden Trend zeigt. Pseudo-Experten: Das Buch wirkt mit vielen Fußnoten wissenschaftlich, doch eine Analyse zeigte, dass die Darstellung kaum etwas mit dem tatsächlichen Forschungsstand zu tun hat und die zitierten Forscher die ihnen zugeschriebenen Thesen oft gar nicht vertreten. Auch die Vorhersage einer baldigen „Erdabkühlung“ ist nicht eingetreten.
Korrekte Einordnung in einem Satz: seit Mitte des 20. Jahrhunderts stammt der größte Teil der Erwärmung nachweislich aus den steigenden Treibhausgaskonzentrationen, nicht aus der Sonnenaktivität — das bestätigen u. a. das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und der IPCC.9
EIKE trägt zwar „Institut“ im Namen, ist aber ein eingetragener Verein und kein wissenschaftliches Forschungsinstitut; Fachwelt und Medien ordnen ihn als klimaskeptische Lobbyorganisation ein, und 2022 entzog das Finanzamt Jena ihm die Gemeinnützigkeit.10 Sprecher Horst-Joachim Lüdecke ist Physiker, EIKE-Pressesprecher und AfD-Mitglied11; er trat als von der AfD benannter Sachverständiger (einer von sechs geladenen) im Bundestag auf.12
„CO2 ist ein Spurengas der Atmosphäre (von heute 0,04 % Volumenanteil in der Luft) …“ — und: „Es gibt bis heute keinen wissenschaftlichen Nachweis für Klimaschädigung durch den angestiegenen CO2-Gehalt der Atmosphäre.“
Prof. Horst-Joachim Lüdecke (EIKE) in seiner gutachterlichen Stellungnahme als geladener Sachverständiger im Bundestag.13
Das ist ein Logik-Fehler (verpackt als Rosinen-Pickerei): Aus der kleinen Konzentration von CO2 wird auf eine kleine Wirkung geschlossen. Das ist fachlich falsch — gerade für den Chemieunterricht ein perfektes Beispiel: Auch Stoffe in winzigen Mengenanteilen können große Wirkung haben (man denke an Katalysatoren, Ozon oder die tödliche Dosis vieler Stoffe). Der CO2-Anteil der Luft ist seit 1850 von rund 0,028 % auf >0,04 % gestiegen — und genau diese Zunahme verstärkt den Treibhauseffekt messbar.
Korrekte Einordnung in einem Satz: Die geringe Konzentration sagt nichts über die Wirkung — CO2 ist als dreiatomiges Molekül infrarotaktiv und für den Großteil des menschengemachten Treibhauseffekts verantwortlich; das bestätigen u. a. die „Science-Cops“ des WDR (Quarks) in ihrer Analyse von EIKE.14
Dieses Argument wird immer wieder genutzt und u. a. auch Friedrich Merz zugeschrieben.
„Deutschlands Anteil am globalen CO₂-Ausstoß beträgt nur rund 2 % — was wir hier tun, ist deshalb praktisch irrelevant.“(so oder ähnlich vielfach in der Klimadebatte vertreten, u. a. von Friedrich Merz auf Twitter, 9.5.2021).15
Ein klassischer Logikfehler mit Rosinen-Pickerei: Aus einer korrekten Zahl wird der unzulässige Schluss gezogen, deutsches Handeln sei bedeutungslos. Wäre das Argument gültig, könnte sich jeder Verursacher herausreden — jedes Land, jede Branche, jede Person trägt „nur wenig“ bei, und niemand müsste je handeln. Die kleine Zahl wirkt nur überzeugend, weil sie Pro-Kopf-Ausstoß und historische Verantwortung ausblendet.
Korrekte Einordnung in einem Satz: Deutschland gehört zu den zehn größten CO₂-Verursachern weltweit, liegt beim Pro-Kopf-Ausstoß mit rund 7 Tonnen deutlich über dem globalen Schnitt (~4,7 t) und trägt historisch überproportional bei — der Zwei-Prozent-Wert taugt nicht als Begründung fürs Nichtstun.16
„Golfstrom steuert auf Kollaps zu — bereits 2025 könnte es so weit sein.“ — Schlagzeile zu einer Studie über das Atlantische Strömungssystem (AMOC).17
Hier wird das Extremszenario einer einzelnen Studie als Gewissheit dargestellt — eine Übertreibung, kombiniert mit Rosinen-Pickerei. Die Studie selbst nennt eine große Spanne (zentraler Wert um 2057, Intervall 2025–2095) und beruht auf bestimmten Annahmen; die Schlagzeile greift nur den frühesten, dramatischsten Wert heraus.
Wichtig: Dieses Beispiel zielt nicht gegen den Klimaschutz, sondern zeigt, dass auch warnende Aussagen überzogen sein können — und dass man sie genauso prüfen muss.
Korrekte Einordnung in einem Satz: Das IPCC hält einen abrupten Kollaps des Golfstromsystems vor 2100 für „sehr unwahrscheinlich“; Klimaforscher Jochem Marotzke (MPI für Meteorologie) nannte die Aussage, der Kollaps komme noch in diesem Jahrhundert, „auf tönernen Füßen“ stehend.18
Die eigentliche Lektion: Überzogen heißt nicht erfunden. Anders als bei reiner Leugnung steckt hier eine echte, seriös publizierte Studie dahinter — das Problem ist die mediale Zuspitzung. Wissenschaftliche Aussagen kommen mit Wahrscheinlichkeiten und Bandbreiten. Die muss man lesen können — auch, wenn die Aussage in die Richtung zielt, die man selbst für richtig hält.
Andere Lager - andere Themen - gleiches Muster
Weiteres
Wichtig: Über den richtigen Weg im Klimaschutz darf und soll man politisch streiten — ob E-Fuels, Tempolimit oder Atomkraft sinnvoll sind, ist eine legitime Frage. Kritisiert wird hier nie eine politische Position oder Partei, sondern allein das Denkmuster in der einzelnen Aussage. Eine Position kann politisch vertretbar und trotzdem mit einem unsauberen Argument begründet sein — genau das trennen wir.
Der Verbrennungsmotor ist nicht das Problem, die fossilen Kraftstoffe, mit denen er betrieben wird, sind es.“ — Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) plädiert dafür, Verbrenner mit synthetischen Kraftstoffen („E-Fuels“) „klimaneutral“ weiterzubetreiben.19
Beim Tempolimit ließ die FDP ein Gutachten erstellen, wonach Tempo 120 nur rund 1,1 Mio. t CO₂ pro Jahr spare — und stellte damit die Berechnung des Umweltbundesamtes infrage.20
Beide Aussagen nutzen Rosinen-Pickerei. Bei den E-Fuels wird ein richtiger Teilaspekt — der Verbrenner selbst stößt kein CO2 aus, der Kraftstoff entscheidet — so betont, dass die entscheidenden Nachteile ausgeblendet bleiben: E-Fuels sind für den Pkw-Massenmarkt extrem ineffizient und knapp. Beim Tempolimit zeigt sich ein zweites, euch bereits bekanntes Muster: Statt die Behördenzahl zu widerlegen, wird ein eigenes Gegengutachten in Auftrag gegeben, das den Effekt kleinrechnet — dieselbe „Manufacturing Doubt“-Strategie wie im Fall ExxonMobil.
Korrekte Einordnung in einem Satz: Ein batterieelektrisches Auto bringt rund 75 % der eingesetzten Energie auf die Straße, ein mit E-Fuels betriebener Verbrenner nur etwa ein Sechstel davon — E-Fuels sind für den Pkw-Massenverkehr also um ein Vielfaches ineffizienter.21
„Dass Homöopathie wirkt, wird von der Pharmaindustrie unterdrückt, weil sich mit der ‚Schulmedizin‘ mehr Geld verdienen lässt.“
– typisierte, real verbreitete Aussage — kein namentlicher O-Ton
Das ist ein klassischer Verschwörungsmythos: Statt die fehlende Wirksamkeit zu erklären, wird ein verborgenes, eigennütziges Komplott behauptet. Solche Argumente sind gegen jede Widerlegung immun — denn das Ausbleiben von Belegen wird selbst zum „Beweis“ für die Vertuschung.
Korrekte Einordnung in einem Satz: Für eine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung der Homöopathie gibt es nach Auswertung der Studienlage keine belastbare Evidenz.22
Aufgabe von Medizin und Pädagogik ist es, Bedingungen zu schaffen für eine möglichst gesunde Inkarnation. Dabei spielen die sogenannten Kinderkrankheiten eine wichtige Rolle.“
— aus dem anthroposophischen Standardwerk Kindersprechstunde von Wolfgang Goebel und Michaela Glöckler; Glöckler war bis 2016 Leiterin der Medizinischen Sektion am Goetheanum.23
Hier wirken Pseudo-Experten: Eine medizinisch klingende Autorität deutet eine Infektionskrankheit zum notwendigen „Entwicklungsschritt“ um. Der wissenschaftliche Kenntnisstand zu Komplikationen und Impfschutz wird durch eine weltanschauliche Deutung ersetzt.
Korrekte Einordnung in einem Satz: Das Robert-Koch-Institut dokumentiert gehäufte Masernausbrüche an anthroposophischen Einrichtungen; Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, weshalb die STIKO die Impfung empfiehlt.24
Aufgaben
- Verfassen Sie mit einer Faktenkarte (M5 Schritt 2) einen kurzen Kommentar (gemäß Schritt 3).
- Analysieren Sie den getauschten Kommentar einer anderen Gruppe (Schritt 4) und beurteilen Sie, welches Muster am schwersten zu entlarven war.
- Erklären Sie abschließend auf Basis der Chemie, warum die Behauptung, CO2 sei klimatisch irrelevant, wissenschaftlich unhaltbar ist.
Desinformationsprofi werden
Weiteres
Bisher haben Sie Desinformation entlarvt. Jetzt wechseln Sie die Seite — denn ein Muster versteht man am besten, wenn man es einmal selbst gebaut hat. Wichtig: Sie müssen dafür nicht lügen. Echte Desinformation arbeitet meist mit wahren Einzelfakten, die nur ausgewählt, betont, weggelassen oder kombiniert werden, bis ein schiefes Bild entsteht. Ihr eigentliches Lernprodukt ist nicht der verzerrte Text, sondern die Analyse danach: Welche Muster wirken — und warum?
Bevor Sie einen ganzen Kommentar schreiben, üben Sie den Kern-Handgriff an einzelnen Sätzen: Nehmen Sie einen wahren Fakt und ein vorgegebenes Muster — und formulieren Sie die verzerrte Version. Das ist genau die Umkehrung Ihrer bisherigen Detektivarbeit.
Wahrer Fakt: „Deutschland verursacht rund 2 % der weltweiten CO₂-Emissionen.“
Muster: Logikfehler + Rosinenpickerei.
Verzerrte Version: „Nur 2 % — was wir hier tun, ändert ohnehin nichts.“ → Aus einer richtigen Zahl wird ein falscher Schluss; Pro-Kopf-Ausstoß und historische Verantwortung bleiben ausgeblendet.

Wählen Sie eine Karte. Alle Aussagen sind belegt und wahr — Ihre Aufgabe ist es nur, daraus ein verzerrtes Bild zu bauen.
- Windkraft war 2024 und 2025 der größte einzelne Stromerzeuger Deutschlands; erneuerbare Energien deckten rund 55–59 % der Stromerzeugung.
- Windräder liefern nur Strom, wenn Wind weht. Der Anteil schwankt stark — im Februar 2024 zeitweise rund 44 %, in windschwachen Phasen deutlich weniger.
- Onshore-Windstrom gehört zu den günstigsten Quellen neuer Stromerzeugung.
- Die Schwankungen erfordern Speicher, Netzausbau und flexible Reservekraftwerke, um die Versorgung jederzeit zu sichern.
- Der Ausbau ist vor Ort oft umstritten (Flächenverbrauch, Schall, Vogel-/Fledermausschutz).
25
- Im Betrieb stößt ein Kernkraftwerk kaum CO₂ aus.
- Deutschland hat am 15. April 2023 seine letzten drei Kernkraftwerke abgeschaltet (Isar 2, Emsland, Neckarwestheim 2).
- Für hochradioaktiven Abfall gibt es in Deutschland bis heute kein Endlager; die Standortsuche läuft und soll Jahrzehnte dauern. Der Abfall bleibt sehr lange gefährlich.
- Neue Kernkraftwerke in Europa (z. B. Flamanville, Hinkley Point C) wurden um viele Jahre verspätet und um ein Vielfaches teurer als geplant.
- Kernkraft liefert konstant (grundlastfähig), lässt sich aber nur träge an schwankenden Bedarf anpassen; Uran ist endlich und muss importiert werden.26
- Seit 2021 zahlt man in Deutschland einen CO₂-Preis auf fossile Brenn- und Kraftstoffe (Heizöl, Erdgas, Benzin, Diesel) — das nationale Emissionshandelssystem (BEHG/nEHS).
- Der Preis stieg von 25 €/t (2021) auf 55 €/t (2025); ab 2026 werden die Zertifikate versteigert (Korridor 55–65 €/t), ab 2027 ist der Übergang in den EU-weiten Emissionshandel (EU-ETS 2) vorgesehen.
- Ziel ist eine Lenkungswirkung: Fossile Energie wird gezielt teurer, damit sich Wärmepumpe, E-Auto oder ÖPNV eher lohnen (Effekt: rund 3 ct/Liter Sprit).
- Der Preis belastet einkommensschwache Haushalte relativ stärker. Ein direkt ausgezahltes „Klimageld“ zur Rückverteilung war geplant, wurde bislang aber nicht eingeführt.
- Deutschland verursacht rund 2 % der weltweiten CO₂-Emissionen, liegt aber pro Kopf (~7 t) deutlich über dem Weltschnitt (~4,7 t). (→ vgl. das 2-%-Beispiel in M2.)27
- Wind / Unerfüllbare Erwartung: „Solange Windkraft nicht rund um die Uhr liefert, taugt sie nicht als Rückgrat der Stromversorgung.“ (blendet Speicher, Netz, Energiemix aus)
- Atom / Rosinenpickerei: „Atomkraft ist praktisch CO2-frei — die sauberste Energie, die wir haben.“ (blendet Endlagerung, Baukosten/-zeiten, Uranimport aus)
- CO2-Preis / Logikfehler: „Erst kassiert der Staat über den CO2-Preis ab — und das Geld kommt ja doch nie bei uns an.“ (Doppel-Absicherung: egal ob die Rückverteilung kommt oder nicht, das Fazit bleibt „Abzocke“)
- Schreiben Sie als Gruppe einen kurzen Kommentar zu Ihrer Faktenkarte. Bauen Sie dabei Muster ein.
- Notieren Sie verdeckt (auf einem separaten Zettel), welche Muster Sie eingebaut haben.
- Sie dürfen die Fakten nur auswählen, betonen, weglassen oder kombinieren — erfundene Fakten sind nicht erlaubt.
Tauschen Sie Ihren Kommentar mit einer anderen Gruppe. Analysieren Sie deren Text mit der Tabelle. Vergleichen Sie am Ende mit dem verdeckten Zettel: Welche Muster haben Sie übersehen — und welches war am schwersten zu entlarven? Begründen Sie.

Satzbausteine für die Begründung (Spalte 4):
„… war schwer zu entlarven, weil der wahre Kern der Aussage tatsächlich stimmt.“
„… wirkte überzeugend, weil es an etwas aus dem Alltag anknüpft.“
„… klang seriös, weil es mit einer Zahl, Quelle oder einem Fachwort auftrat.“
„… haben wir fast übersehen, weil es in die Richtung zielt, die wir selbst für richtig halten.“
„… war leicht zu erkennen, weil die Behauptung sich selbst widerspricht oder zu absolut formuliert war.“
Weitergedacht
- Rufen Sie die vier Profile in M4 nacheinander auf und arbeiten Sie die gemeinsame Frage durch. Die Impulse zeigen, worauf Sie achten sollen.
- Zu guter Letzt: das Video erklärt noch einmal wunderbar, warum wir auf Scheinargumente hereinfallen.
Quellenkunde: Meinungsmacher:innen unter der Lupe
Wichtiges vorab: Kannst du mir blind vertrauen?
Die Datenbank, mit der du gleich arbeitest, ist nützlich – aber sie ist nicht neutral. Das gilt für keine Quelle. Und das gilt ausdrücklich auch für alles, was du in dieser Einheit gelesen hast.
DeSmog wurde gegründet, um Klimadesinformation aufzudecken, und wird von Stiftungen finanziert, die klar für Klimaschutz eintreten.28 Das bedeutet: Die Organisation dokumentiert systematisch Klimaleugnung – aber nicht Fehler auf anderen Seiten des Diskurses. Das macht die Fakten nicht falsch. Aber das Bild bleibt einseitig.
Zwei Dinge, die du auseinanderhalten solltest:
Ein Steuerdokument, das belegt, dass eine Person Geld von einem Ölkonzern erhielt, ist ein prüfbarer Fakt. Dass diese Person deshalb ein „Klimaleugner“ ist, ist eine Interpretation. Gute Quellenkritik trennt beides – unabhängig davon, wer die Quelle ist und ob man ihre Schlussfolgerungen teilt.
Drei Prüffragen für jede Quelle – auch für diese hier:
- Wer steckt dahinter? Wer erstellt die Quelle, wer finanziert sie – und welche Interessen könnten dahinterstehen?
- Was wird belegt? Gibt es konkrete, nachprüfbare Nachweise – Dokumente, Daten, Studien? Oder nur Behauptungen
- Bestätigen es andere? Berichten unabhängige Quellen dasselbe? Wie wird mit Widerspruch umgegangen?
DeSmog ist brauchbar – weil die Einträge auf öffentlichen Belegen basieren und von unabhängigen Medien referenziert werden. Aber informiert vertrauen heißt: immer zwischen Beleg und Meinung unterscheiden. Das gilt für DeSmog. Es gilt für klimafakten.de. Es gilt für diese Seite hier.
Die Profile
Alle Profile findest du unter: desmog.com/climate-disinformation-database → Namen in die Suche eingeben.
- Gunter Ederer Journalist und Filmproduzent, ehemals ZDF. Schau dir seinen beruflichen Hintergrund an – und dann seine öffentlichen Aussagen zum Klima. Auf welchen Plattformen und bei welchen Organisationen ist er aufgetreten?
- Naomi Seibt YouTuberin, in Medien als „Anti-Greta“ bezeichnet. Lies, wer sie als „Anti-Greta“ bezeichnet hat – und in welchem Kontext. Welche Organisationen haben mit ihr zusammengearbeitet?
- Holger Thuss Präsident EIKE, Mitgründer CFACT Europe. Schau dir die Organisationen an, mit denen Thuss verbunden ist – auch die internationalen. Welche Namen kommen dir bekannt vor?
- EIKE – Europäisches Institut für Klima und Energie Eingetragener Verein, gegründet 2007.
EIKE nennt sich „Institut“ – schau nach, mit welcher deutschen Partei die Organisation zusammenarbeitet. Sieh dir an, mit welchen internationalen Gruppen EIKE vernetzt ist.
Gemeinsame Fragen für alle vier Profile
- Suchen Sie nach Auffälligkeiten:
- Was haben alle vier gemeinsam – trotz ihrer unterschiedlichen Rollen als Journalist, Influencerin, Organisator und Verein?
- Welche Verbindungen zu internationalen Netzwerken tauchen immer wieder auf?
- Beurteilen Sie: „Wer öffentlich über den Klimawandel spricht, muss auch Klimaforscher:in sein.“ Ist diese Aussage überzeugend – oder steckt darin selbst ein problematisches Muster?
Warum fallen wir auf Scheinargumente herein?
Weiteres
So fällst du nie wieder auf Scheinargumente rein | Quarks Dimension Ralph .29

