LNCU

LEBENSNAHER CHEMIEUNTERRICHT

2.0
SUCHERGEBNISSE: 275
Chemie
Sekundarstufe II
Reaktionsgeschwindigkeit & Gleichgewichte
Störungen von Gleichgewichten und weltweite Folgen
Datum:

Die Bürgerversammlung: abwägen, entscheiden, reflektieren

Wir führen zusammen, was wir wissen — und prüfen unser eigenes Urteil

04.07.2026
36422
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LNCU.de
ID 36422

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FS Chemie 26Gregor von Borstel
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Die Idee dahinterPDF

Die Idee dahinter

Ziele
Die Schüler:innen führen die Bürgerratssitzung durch — sie bündeln das Expertenwissen, gewichten mit der WAAGE(R) die Argumente, treffen für Bestand und Neubaugebiet je eine begründete kollektive Entscheidung (Empfehlung an den Stadtrat) und reflektieren, wie dieses Urteil zustande kam.

Die Lernenden ...

  • stellen in der Expertenphase ihr Thema sachlich und adressatengerecht dar und führen anschließend die Argumente zusammen, indem sie sie den Handlungsoptionen zuordnen (Argumentieren).
  • gewichten die Argumente und unterscheiden begründet zwischen abwägbarem trade-off und entscheidendem K.-o.-Kriterium (Gewichten).
  • treffen in zwei getrennten Abstimmungen eine Entscheidung für Bestand und Neubaugebiet und formulieren einen Ratsbeschluss mit Begründung und — falls vorhanden — Minderheitsvotum (Entscheiden).
  • reflektieren ihren Bewertungsprozess und unterscheiden, wo ihre Entscheidung eine Fachfrage und wo sie eine Wertfrage war (Reflektieren).
  • erkennen Ambivalenz und Mehrperspektivität als Stärke demokratischer Entscheidungen und übertragen das Prinzip begründeten Bewertens auf weitere gesellschaftlich relevante Fragen.
Ziele

Die Idee, das Haber-Bosch-Verfahren nicht nur als Fachinhalt, sondern über die Personen dahinter und die Frage nach einer Fritz-Haber-Straße zu unterrichten, ist nicht neu — wir verfolgen sie seit Jahren und haben sie auf LNCU bereits in früheren Fassungen umgesetzt. Ausgearbeitet und mehrfach im Unterricht erprobt wurde sie maßgeblich von Friederike Rohrbach-Lochner, die aus ihrer Verbindung von Chemie, Biologie und Geschichte heraus den multiperspektivischen Zugriff entwickelte.1 Auf ihren Beitrag geht der Kern dessen zurück, was diese Einheit bis heute trägt: die Straßenfrage als realer Bewertungsanlass — angeregt durch den Antrag des Heidelberger Friedensratschlags von 2015 zum 100. Jahrestag von Ypern —,2 das Offenlegen und Abwägen von Grundwerten wie Frieden, Leidvermeidung und wissenschaftlichem Fortschritt sowie die ausdrückliche Würdigung Clara Immerwahrs als eigenständige Forscherin und nicht bloß als Habers Ehefrau.3
Was wir hier neu gemacht haben, baut auf diesem Fundament auf: Das WAAGE(R)-Modell strukturiert das Bewerten nun durchgängig und macht den Unterschied zwischen abwägbarem Argument und K.-o.-Kriterium explizit;4 aus der einzelnen Straßenfrage wurde ein Doppel-Dilemma, das die Benennung eines Neubaugebiets und damit die Gendergerechtigkeit einbezieht; und alle Fakten wurden erneut quellenkritisch geprüft und aktualisiert. Die didaktische Linie aber bleibt, was sie 2019 war.

Beschreibung

Auf dieser Seite findet die eigentliche Bürgerratssitzung statt — die Lernenden führen zusammen, was sie vorbereitet haben, und arbeiten dabei die WAAGE(R)-Schritte Argumentieren, Gewichten, Entscheiden und Reflektieren ab. Eine Agenda und der AGE(R)-Ausschnitt verorten die Sitzung im Gesamtmodell. In Phase 1 machen sich die Gruppen als Expert:innen gegenseitig sachkundig (Notizen auf dem Expertenzettel); in Phase 2 tragen sie als Bürger:innen die Argumente im WAAGE(R)-Blatt zusammen, benennen Bewertungskriterien und gewichten — abwägbarer trade-off oder entscheidendes K.-o.-Kriterium? Entschieden wird in zwei getrennten Abstimmungen: zuerst über den Bestand (Fritz-Haber-Straße), dann über das Neubaugebiet. Das Ergebnis halten die Lernenden als Ratsbeschluss mit Begründung und optionalem Minderheitsvotum fest — ihr Lernprodukt. Abschließend reflektieren sie ihren Bewertungsprozess und unterscheiden, wo ihre Entscheidung eine Fach- und wo sie eine Wertfrage war.

Einbettung

iese Seite ist der Abschluss des Falls — und sie ersetzt die frühere, eigenständige Metareflexionsseite. Sie setzt das auf Seite 2 erarbeitete Expertenwissen voraus und führt es in den vier WAAGE(R)-Schritten A·G·E·R zu einem begründeten kollektiven Urteil. Bewusst gewählt ist das Format des Bürgerrats: Sein Ergebnis ist eine Empfehlung an den Stadtrat, kein bindender Beschluss — das hält den Anspruch hoch, gut zu begründen, statt nur zu gewinnen. Hier laufen die drei Urteilsebenen der Reihe zusammen: historisch verstehen, aus heutiger Sicht urteilen und über Erinnerungskultur entscheiden — denn die Straßenfrage ist kein historisches Urteil über die Person. Der Reflexionsschritt fängt die alte Metaebene auf, ohne eine vierte Seite zu brauchen: Die Lernenden trennen Fach- von Wertfragen und übertragen das Prinzip begründeten Bewertens auf andere gesellschaftliche Fragen. Tragend bleibt der Satz, dass es hier an dieser Stelle kein richtiges Ergebnis gibt, nur ein begründetes — und genau das macht die Durchdringung mit der Methode WAAGE(R) verhandelbar.

Aufgaben

  1. Simuliert gemeinsam die Bürgerratssitzung gemäß M1.
  2. Wenn ihr beim abschließenden Erstellen des Schreibens an den Stadtrat generative KI unterstützend nutzen wollt, geht gemäß M2 vor.
M1

Unsere Agenda für die Sitzung

Weiteres

Heute führt ihr zusammen, was ihr vorbereitet habt. Am Ende steht eure Empfehlung an den Stadtrat.

Weiteres

Wie gehen wir jetzt vor?5

1. Nehmt die Rolle als Expert:in ein

Macht die gesamte Versammlung zu eurem Thema sachkundig — knapp und präzise, denn auf eurem Wissen bauen alle ihr Urteil auf.

2. Rollenwechsel: Werdet "Anwohner:in"

Führt in Kleingruppen Argumente zusammen, gewichtet und fällt ein begründetes Urteil. Gearbeitet wird im WAAGE(R)-Blatt.

Tragt eure Vorschläge im Plenum zusammen, stimmt ab und schreibt dem Stadtrat.

3. Rollenwechsel: Werdet wieder Schüler:innen

Eure Empfehlung ist gefallen — reflektiert, wie sie entstanden ist.

M2

Eine KI genau euer Ergebnis formulieren lassen

Was kommt in den Prompt?
  • Auftrag, Absender, Adressat zuerst. Sag der KI, welchen Text sie schreiben soll – und vor allem, wer an wen schreibt: Ihr schreibt im Namen der Bürgerversammlung an die Stadt Musterstadt und empfehlt, wie sie auf den Antrag von Frau Musterfrau reagieren könnte. Warum: Verwechselt die KI die Richtung, verfasst sie einen Behörden-Bescheid oder einen neuen Bürgerantrag statt eurer Empfehlung – und trifft Ton und Zweck nicht.
  • Euer Material einfügen – der wichtigste Schritt. Kopiere direkt hinein: den Kern des Antrags, auf den ihr antwortet, vielleicht auch als pdf, euer Abstimmungsergebnis, die entscheidenden Argumente dafür und dagegen, eure Gewichtung, euren konkreten Vorschlag. – Warum: Die KI kann nur wiedergeben, was dasteht. Eure eigenen Worte einzufügen ist weniger Aufwand als Umschreiben – und zugleich genauer.
  • Die Grenze setzen: nichts erfinden. Schreib ausdrücklich hinein: „Verwende ausschließlich die folgenden Ergebnisse. Erfinde keine Argumente, Zahlen, Namen oder historischen Angaben, die unten nicht stehen. Fehlt etwas, lass es weg.“ – Warum: KI füllt Lücken gern mit Plausiblem, das falsch sein kann – besonders bei historischen Fakten und Zitaten.
  • Form und Ton knapp vorgeben. Sag, wie lang (ungefähr), in welchem Ton (sachlich, wertschätzend, empfehlend) und mit welchem Aufbau: Anrede an die Stadt – Bezug auf den Antrag – eure Empfehlung – Begründung – Schluss mit dem Hinweis, dass die Entscheidung bei der Stadt liegt. Formuliert empfehlend („wir schlagen vor“, „wir geben zu bedenken“), nicht beschließend. – Warum: Das spart dir Nacharbeit und hält euer Schreiben glaubwürdig und in der richtigen Rolle.
  • Einen Selbst-Check verlangen. Ergänze: „Markiere am Ende jeden Satz, der nicht direkt aus meinen Angaben stammt.“ – Warum: So wird sichtbar, wo die KI doch etwas hinzugefügt hat.
Wie könnte der Prompt prinzipiell aussehen?

Hier Prompt-Gerüst zum Ausfüllen. Fülle nur die Punkte, den Rest lässt du stehen:

Du bist die Stadtverwaltung [Ort] und antwortest auf den Bürgerantrag zur Benennung von Straßen im Neubaugebiet (siehe LNCU_Brief_Einwohnerversammlung.pdf) nach weiblichen Wissenschaftlerinnen anstatt nach männlichen Wissenschaftlern und Umbenennung der Fritz-Haber-Straße. Schreibe ein sachliches, wertschätzendes Antwortschreiben (ca. [200] Wörter), Aufbau: Anrede – Entscheidung – Begründung – Schluss.
Verwende ausschließlich die folgenden Ergebnisse unserer Bürgerversammlung. Erfinde nichts dazu – keine Argumente, Zahlen, Namen oder historischen Angaben, die unten nicht stehen. Fehlt etwas, lass es weg.
Unser Ergebnisse:
– Vorschlag zur Benennung der Straßen im Neubaugebiet: …
– Wichtigste Argumente dafür: …
– Wichtigste Argumente dagegen: …
– Weitere Vorschläge: …

– Vorschlag zur Umbenennung der Fritz-Haber-Straße im bestehenden Gebiet: …
– Wichtigste Argumente dafür: …
– Wichtigste Argumente dagegen: …
– Weitere Vorschläge: …

Markiere am Schluss jeden Satz, der nicht direkt aus diesen Angaben stammt.

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Die Bürgerversammlung: abwägen, entscheiden, reflektieren
Wir führen zusammen, was wir wissen — und prüfen unser eigenes Urteil
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