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LEBENSNAHER CHEMIEUNTERRICHT

2.0
SUCHERGEBNISSE: 275
Chemie
Ausbildung
Den Erziehungsauftrag in Schule und Unterricht wahrnehmen
Fachlich fundiertes Urteilen und Gestalten ermöglichen
Datum:

Erziehen und Unterrichten — eins, nicht zwei

Bildung für nachhaltige Entwicklung und Demokratiebildung als Kern des Chemieunterrichts — exemplarisch erarbeitet im Fachseminar

28.06.2026
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Gregor von BorstelGregor von Borstel
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Die Idee dahinterPDF
M1

Anregungen

Desinformationen begegnen

Große Ölkonzerne wussten seit Jahrzehnten, was ihr Produkt mit dem Klima macht. Und sie nutzen ihr Wissen nicht. Wie funktioniert gezielte Desinformation — und wie erkennst du sie? Mit der PLURV-Methode lernst du, Strategien zu durchschauen, bevor sie dich überzeugen.

Die Geschichte dahinter1

Wie kann unsere Schule klimaneutral werden?

Dein Ticket.2

Unsere Schule soll klimaneutral werden.

Klingt gut. Aber wie genau — und wer trägt die Kosten? Im Bürgerrat vertrittst du eine echte Position und musst mit anderen eine Lösung aushandeln, die trägt.

Eine Fritz-Haber-Straße umbennen?

Eine Straße soll vielleicht umbenannt werden. Der Namensgeber Fritz Haber hat einen Nobelpreis für seine Erfindung erhalten, die heute noch hilft, die halbe Weltbevölkerung zu ernähren. Aber bereits bei der Verleihung des Nobelpreises sind Forschende aus anderen Ländern fern geblieben, weil Haber auch der führende Kopf hinter dem Giftgaseinsatz der Deutschen im 1. Weltkrieg war. Wie urteilt man über jemanden, dessen Werk Leben und Tod gebracht hat?

Einladung zur Bürgerversammlung3

Und noch eine Frage steckt im Straßennamen: Wer wird eigentlich erinnert — und wer nicht? Clara Immerwahr war eine der ersten Frauen, die in Deutschland in Chemie promovierte. Kennst du ihren Namen?

Du darfst vorschlagen, wie die Straße heißen soll. Aber du musst es begründen.

M2

Erziehen und Unterrichten lassen sich nicht trennen

Weiteres

Erst kommt die Chemie, dann, wenn Zeit bleibt, ein Stück Bewertung, etwas Demokratie, ein wenig Nachhaltigkeit. Ist das so?

 Die OVP hält dem ein anderes Bild entgegen. Sie führt Unterrichten und Erziehen als eigene Handlungsfelder, meint damit aber nicht, dass beide nacheinander abzuarbeiten sind. Im guten Fachunterricht sind sie dasselbe Geschehen aus zwei Blickwinkeln.

Verstehen wir „Erziehen“ hier als das Befähigen junger Menschen, sich in einer komplexen Welt begründet zu orientieren, eigenständig zu urteilen und an gemeinsamen Entscheidungen teilzuhaben — und nicht als „Regeln lernen —, dann wird der Zusammenhang mit dem Fach unmittelbar einsichtig. 

Weiteres

Am Chemieunterricht lässt er sich besonders deutlich zeigen. Wer verstanden hat, wie das chemische Gleichgewicht auf Eingriffe reagiert und wo die planetaren Grenzen verlaufen, besitzt damit noch kein Urteil — wohl aber die Voraussetzung, eines zu fällen.

Beispiele wie in M1 zeigen: All das wächst aus der Fachlichkeit heraus und ist ohne sie nicht zu haben. Der Erziehungsauftrag ist hier nicht das Sahnehäubchen, sondern der Grund, warum sich die Fachlichkeit überhaupt lohnt.

Genau das wollen wir in diesem Fachseminar erproben. Wir nehmen vorhandene Materialien in den Blick, in denen die Verschränkung von Unterrichten und Erziehen bereits gelungen ist, arbeiten heraus, woran man sie erkennt — und suchen dann eigene Inhalte, an denen wir dasselbe exemplarisch durchführen.

Aufgaben

  1. Setzen Sie sich exemplarisch mit einem der vorgestellten Materialien M1 auseinander und stellen Sie heraus, was das Besondere an ihm ist: An welcher Stelle, durch welche Aufgabe oder welches Lernprodukt wird der Erziehungsauftrag fachlich eingelöst — und nicht bloß angefügt? Belegen Sie Ihre Einschätzung am konkreten Material, nicht an der Absichtserklärung.
  2. Benennen Sie Inhalte oder Kontexte, an denen sich die Verschränkung von Unterrichten und Erziehen ebenso exemplarisch durchführen ließe. Begründen Sie für mindestens einen Vorschlag, welche fachliche Grundlage gelegt sein muss, damit das damit verbundene Urteil tragfähig wird.

Weitergedacht

  1. Lesen Sie M3 und wählen Sie eines der Materialien aus M1. Zeigen Sie an einer konkreten Stelle, wo die fachliche Sache nicht verhandelbar ist (Sachebene) und wo das Material das Urteil bewusst offen hält (Bewertungsebene).
  2. Formulieren Sie in zwei bis drei Sätzen, wie Sie einer Person, die den Neutralitäts-Vorwurf erhebt, an genau diesem Beispiel antworten würden.
M3

Stellung beziehen verletzt kein Neutralitätsgebot

Lehrkräfte sind qua Verfassung verpflichtet, für Demokratie & Menschenwürde einzutreten

Mitunter hört man: „Eine Lehrkraft hat sich doch herauszuhalten — alles andere verstößt gegen das Neutralitätsgebot.“

Der Vorwurf beruht auf einem verbreiteten Missverständnis. Ein Neutralitätsgebot für Lehrkräfte gibt es nicht. Im Gegenteil: Lehrkräfte sind durch Grundgesetz und Schulgesetze verpflichtet, für die demokratischen Grundwerte — Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit — einzutreten. Ausgerechnet der Beutelsbacher Konsens, auf den sich solche Vorwürfe gern berufen, fordert das Gegenteil dessen, was ihm unterstellt wird.

Der Beutelsbacher Konsens

1976 hielt Hans-Georg Wehling auf einer Tagung der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg drei Grundsätze fest: das Überwältigungsverbot — niemand darf zu einer Meinung gedrängt werden; das Kontroversitätsgebot — was in Wissenschaft und Gesellschaft strittig ist, muss auch im Unterricht strittig erscheinen; und die Befähigung, eine Lage und die eigenen Interessen zu analysieren und begründet zu handeln.4 Aus keinem dieser drei folgt Neutralität.

Worauf es ankommt

Entscheidend ist eine Unterscheidung, die im Chemieunterricht ohnehin täglich getroffen wird: die zwischen gesicherter Sache und offener Bewertung. Dass sich die Erde menschengemacht erwärmt, ist keine kontroverse Position, sondern fachlicher Befund. Ihn als „eine von zwei Meinungen“ zu inszenieren, würde das Kontroversitätsgebot gerade verletzen, nicht erfüllen. Offen — und in unseren Materialien bewusst ergebnisoffen — bleibt die Ebene darüber: welche Maßnahmen, welche Abwägung, welche Entscheidung.
Genau so sind die drei Anregungen aus M1 gebaut. Die PLURV-Methode macht die Täuschungstechnik zum Gegenstand, nicht ein politisches Lager.
Der Bürgerrat und das WAAGE(R)-Modell lassen das Urteil offen und verlangen nur, dass es begründet wird.

Das Kontroversitätsgebot hat zudem eine Grenze: Positionen, die die Menschenwürde oder die demokratische Grundordnung angreifen, sind keine gleichwertige zweite Seite, die man pflichtschuldig danebenstellt. Wer dennoch „Neutralität“ einfordert, gebraucht den Begriff seit einigen Jahren zunehmend als Kampfbegriff, um demokratisches Engagement von Lehrkräften unter Druck zu setzen.5

Fachlich fundiert Stellung zu beziehen, wo die Sache klar ist, und das Urteil offen zu halten, wo es um Bewertung geht — das ist nicht die Verletzung des Beutelsbacher Konsenses, sondern seine Einlösung.

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Erziehen und Unterrichten — eins, nicht zwei
Bildung für nachhaltige Entwicklung und Demokratiebildung als Kern des Chemieunterrichts — exemplarisch erarbeitet im Fachseminar
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