LNCU

LEBENSNAHER CHEMIEUNTERRICHT

2.0
SUCHERGEBNISSE: 275
Chemie
Sekundarstufe II
Reaktionsgeschwindigkeit & Gleichgewichte
Störungen von Gleichgewichten und weltweite Folgen
Datum:

Kalkbildende Lebewesen bekommen Probleme

Eine Folge der Ozeanversauerung

28.06.2026
35578
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ID 35578

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Andreas BöhmGregor von Borstel
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Die Idee dahinterPDF

Die Idee dahinter

Ziele
Die Lernenden können erklären, warum die Ozeanversauerung kalkbildende Organismen gefährdet, indem sie das Carbonat-Hydrogencarbonat-Gleichgewicht und das Löslichkeitsgleichgewicht von CaCO₃ auf den biologischen Kontext anwenden.

Die Lernenden ...

  • führen ein Modellexperiment zur portionsweisen Zugabe von CO₂ zu Kalkwasser durch, beschreiben die Beobachtungen phasenbezogen und deuten sie mithilfe der Gleichgewichtsgleichungen des Carbonat-Systems.
  • erklären unter Verwendung des Bjerrum-Diagramms, bei welchen pH-Werten Carbonat-, Hydrogencarbonat- und CO₂-Spezies dominieren, und leiten ab, warum bei sinkendem pH-Wert die Carbonat-Konzentration abnimmt.
  • erläutern basierend auf dem Prinzip von Le Chatelier und einem wissenschaftlichen Beispiel (Ischia), warum kalkbildende Lebewesen unter einer Ozeanversauerung zunehmend Schwierigkeiten haben, Kalkschalen zu bilden oder aufrechtzuerhalten.
Beschreibung
Leitgedanke

Die Lernenden klären als „Ermittlerteam“ einen konkreten Fall — Warum bekommen kalkbildende Lebewesen durch die Ozeanversauerung Probleme? — und wenden dabei das bereits bekannte Prinzip von Le Chatelier auf ein gekoppeltes Gleichgewichtssystem an. Der lebensweltliche Kontext (Ischia als natürliches „Freilandlabor“) stellt die Frage, die Chemie beantwortet sie. Das Material trägt über mehrere Stunden, mit ausgewiesenen Sicherungs- und Diskussionspunkten im Plenum.

Was die Lernenden nacheinander erkennen

Drei didaktische Entscheidungen tragen die Seite. Erstens die Fallakte-/Tatort-Dramaturgie: Sie hält den Anwendungscharakter über mehrere Stunden zusammen (Indizien → Spurensicherung → Tathergang) und gibt dem diskutablen Lernprodukt eine klare Gestalt – der „Tathergang“ ist die zu verteidigende Argumentationskette, nicht das bloße Versuchsergebnis. Zweitens der echte Modellversuch vor der Theorie: V1 liefert einen selbst erzeugten Befund, an dem Le Chatelier angewandt wird, statt ihn nur nachzuerzählen. Drittens der bewusste Umgang mit der Fehlvorstellung „Kalk löst sich eben in Säure“: Sie wird zugelassen und im freiwilligen M5 produktiv verkompliziert (aktive, energieabhängige Biomineralisation), sodass der Pflichtbogen schlank bleibt und Interessierte zugleich an aktuelle Forschung anschließen.

Zielrichtung

Das diskutable Lernprodukt ist der „Tathergang“: eine zusammenhängende, mit Reaktionsgleichungen und Le Chatelier belegte Argumentationskette, die jedes Team im Plenum vorstellt und verteidigt. Ziel ist nicht das Reproduzieren der Gleichungen, sondern das Erläutern des kausalen Bogens vom Befund zum Modell und das Beurteilen der Ozeanversauerung als Eingriff in einen Stoffkreislauf. Die Einheit zahlt damit zugleich auf die übergeordnete Klammer der planetaren Grenzen ein.

Aufbau und Nutzung des Materials

Die Seite ist als fünfschrittiger Fall angelegt.

  • M1 eröffnet mit der Fallakte (jedes Team mit eigener Akte, gemeinsames Bord für Zwischenergebnisse); Schritt 1 sichert Tatort/Opfer/Verdächtigen und die Hypothese.
  • M2 liefert den Ischia-Befund samt interaktiver pH-Sonde; Schritt 2 führt über V1 zum eigenen Modellbefund.
  • M3 stellt mit seinen drei Reitern (Kalk – CO₂/Hydrogencarbonat/Carbonat – Verhältnis nach pH) das fachliche Material bereit, das Schritt 3 zum Tathergang verdichtet.
  • M4 öffnet in Schritt 4 die globale Perspektive und die Stellungnahme;
  • M5 bietet in Schritt 5 (freiwillig) die vertiefte Erklärung zur Biomineralisation. Natürliche Zäsuren liegen nach der Hypothese, nach dem Modellversuch und nach dem Tathergang — an diesen Punkten bietet sich jeweils eine Plenumssicherung an, bevor weitergearbeitet wird.
Beschreibung

Dieses Material ist eine Anwendungsaufgabe zum Prinzip von Le Chatelier. Das Prinzip ist zu diesem Zeitpunkt eingeführt und verallgemeinert und die Lernenden haben es an ersten, überschaubaren Fällen geübt. 

Statt eines isolierten Gleichgewichts ist nun erneut ein gekoppeltes Mehrgleichgewichts-System zu durchdringen – das Carbonat-Hydrogencarbonat-System samt Löslichkeitsgleichgewicht des Kalks. 

Die Einheit knüpft an gesicherte Voraussetzungen an und macht diese Rückbezüge explizit nutzbar: die CO2-/Klimaproblematik und der Gedanke der planetaren Grenzen („Mehr Kohlenstoffdioxid – höhere Temperaturen“, „Planetare Grenzen“); der prinzipiell fallende pH-Wert der Meere, bereits experimentell erschlossen („Kohlenstoffdioxid rauf – pH-Wert runter?“, „Mehr Kohlenstoffdioxid – saurere Ozeane“, „Das Wechselspiel von Ozeanen und Atmosphäre im Modell“); die Lösungs- und Carbonatgleichgewichte als chemischer Kern; sowie die Spritzentechnik als vertraute Modellversuchs-Methodik.

Dasselbe Carbonat-Gleichgewicht kehrt – in anderer Richtung und in der Lithosphäre – bei „Wie kommt das Loch in den Kalkboden?“ (Tropfsteinhöhlen, natürlicher Kalkkreislauf) wieder; der Rückgriff lässt sich dort explizit machen. Und die Einordnung in die planetaren Grenzen ist die Vorstufe zur ausgewachsenen gesellschaftlichen Bewertung in „Wie kann unsere Schule klimaneutral werden?“

Weiteres

Fotos1

M1

Fallakte Ozeanversauerung

Jedes Team erhält seine eigene, persönliche Fallakte. Zudem sammeln wir alle Ergebnisse an einem gemeinsamen Bord – in digitaler oder analoger Form.

Lasst uns den Fall Schritt für Schritt gemeinsam aufklären. Zwischendurch präsentieren und diskutieren wir immer im Plenum uns Zwischenergebnisse.

Weiteres

Das klären wir Schritt für Schritt.2

Schritt 1: Tatort erschließen, Hypothese formulieren

  1. Betrachten Sie gemeinsam im Team die Fallakte. Beschreiben Sie was Sie sehen bzw. zu erkennen glauben.
  2. Nutzen Sie M2 und ergänzen Sie erste Notizen auf dem Whiteboard zu Tatort, Opfer & Verdächtigem.
  3. Formulieren und notieren Sie auf Basis ihres Vorwissens eine experimentell prüfbare Vermutung zum Tathergang. 
    Nutzen Sie folgende Struktur: „Wir vermuten, dass CO2 im Meerwasser führt dazu, dass … weil wir bereits wissen, dass …“.
M2

"Tatort, Opfer und Verdächtiger"

Ein "Freilandlabor" vor Italiens Küste

Vor der Insel Ischia treten sogenannte CO2-Vents auf. Dort gelangt Kohlendioxid aus vulkanisch aktiven Gesteinsschichten durch Spalten im Meeresboden ins Wasser. Dadurch sinkt der pH-Wert. In der Nähe der Vents ist dieser Effekt besonders stark, weiter entfernt nimmt er ab.

Dies macht den Ort spannend für Forschung: Ohne Labor kann man hier beobachten, wie unterschiedliche CO2-Konzentrationen Ökosysteme beeinflussen.34

Natürliche CO2-Quellen vor Ischia (nicht maßstabsgetreu) erzeugen einen pH-Gradienten im Meer und verändern das Ökosystem.5

So sähe es laut der Studien aus, wenn ein Tauchroboter pH-Proben nähme
Was geschieht in diesem Freilandlabor?

Ein Team von Prof. Jason Hall-Spencer untersuchte im Jahr 2008 vor Ort Schneckenpopulationen.67.

Kalkhaltigen Organismen in natürlich versauertem Meerwasser.8

Zwei Befunde des Teams:

  • Muscheln oder Korallen sind in der Nähe der CO2-Vents weniger verbreitet, während sich andere Arten wie Algen oder Seegras stärker ausbreiten.
  • Gehäuse von Schnecken, die nahe der CO2-Vents leben, sind beschädigt. Vor allem ältere Schneckengehäuse zeigten deutliche Vertiefungen.
Ausgedacht oder real?

Im Chemieunterricht konstruieren Lehrkräfte oft Fälle, um etwas zu veranschaulichen. Was ist mit diesem hier? Schau auf die Fußnoten9 oben: Gute Quellenarbeit setzt Verweise. Prüfe, wohin sie führen — und entscheide selbst: erfunden oder echt?

Schritt 2: Experiment als Spurensicherung, den Befund sichern

Ihre Vermutung steht auf dem Whiteboard. Jetzt holen Sie sich den Beweis.

  1. Lesen Sie die Durchführung von V1 und hier vor allem das Versuchsdesign.
  2. Führen Sie V1 durch. Fotografieren, sichern und beschreiben Sie Ihre Beobachtungen. Werten Sie die Beobachtungen aus.
  3. Formulieren Sie anschließend gemeinsam einen Befundsatz und schreiben Sie ihn als Beweisstück auf das Whiteboard:
    „Wir haben beobachtet, dass … Das bedeutet für Ischia: … unsere Vermutung wird dadurch bestätigt / widerlegt / muss präzisiert werden, weil …“
V1

Wir prüfen experimentell unsere Vermutung im Modellversuch

Versuchsdesign

Streng genommen sind es zwei Versuche:

  1. Da wir für die Untersuchung nur wenig Zeit haben, nutzen wir sehr fein verteilten Kalk. Die feine Verteilung erreichen wir, in dem wir den Kalk ganz frisch herstellen. Dazu geben wir Kohlenstoffdioxid in Calciumhydroxid-Lösung. Sie kennen dies bereits als Kalkwasserprobe.
  2. Zu dem fein verteilten Kalk geben wir dann immer mehr Kohlenstoffdioxid.

Um den pH-Wert verfolgen zu können, geben wir von Beginn an Universalindikator hinzu.  

Materialien
  • Schutzbrille
  • Spritze 12 mL
  • Spritze 30 mL
  • Dreiwegehahn
Chemikalien
  • Calciumhydroxid-Lösung
    • sog. Kalkwasser
  • Kohlenstoffdioxid
  • Universalindikator-Lösung pH 1 - 13
Aufbau und Durchführung
  • Die Calciumhydroxid-Lösung wird mit wenigen Tropfen Universalindikator eingefärbt.
  • 5 mL dieser Lösung werden in eine 30 mL Spritze aufgesaugt.
  • Eine 12 mL Spritze wird mit Kohlenstoffdioxid gefüllt und über den Dreiwegehahn mit der großen Spritze verbunden.
  • Kohlenstoffdioxid wird in 2 mL Schritten zur Lösung hinzugefügt. Der Hahn wird nach jeder Zugabe geschlossen, das System vorsichtig geschüttelt und beobachtet.

Aufbau zu Beginn10

Weiteres
Entsorgen und Aufräumen
  • Alle verunreinigten Labormaterialien spülen.

  • Alle Materialien an ihren Ursprungsort zurückstellen.

Schritt 3 – Den Tathergang chemisch erläutern

  1. Ihre Spurensicherung hat gezeigt, dass die Zugabe von CO2 etwas verändert. Jetzt müssen Sie dies erläutern. Arbeiten Sie sich durch die drei Reiter von M2.
    1. Reiter „Kalk“: Beschreiben Sie den Unterschied zwischen Calciumcarbonat und Calciumhydrogencarbonat hinsichtlich ihrer Löslichkeit. Notieren Sie die Reaktionsgleichung zum Gleichgewicht zwischen beiden Stoffen. Wenden Sie darauf das Prinzip von Le Chatelier an: Was passiert mit diesem Gleichgewicht, wenn die CO2-Konzentration im Meerwasser steigt?
    2. Reiter „Kohlenstoffdioxid – Hydrogencarbonat – Carbonat“ Erklären Sie sich gegenseitig, wie aus gelöstem CO2 schrittweise Hydrogencarbonat-Ionen und Carbonat-Ionen entstehen. Diskutieren Sie, warum wir in Unkenntnis der Gleichgewichtskonstanten nichts über das Verhältnis von Carbonat zu Hydrogencarbonat sagen können.
    3. Reiter „Verhältnis der Konzentration nach pH-Wert“
      Lesen Sie das Diagramm aus. Erklären Sie sich die Kurvenverläufe mit Hilfe der Reaktionsgleichungen im 2. Reiter und Le Chatelier. Leiten Sie ab: Was bedeutet ein sinkender pH-Wert für die Verfügbarkeit von Carbonat-Ionen – und damit für kalkbildende Lebewesen? Was passiert mit Calciumcarbonat in einer Lösung mit sinkendem pH-Wert?
  2. Tathergang formulieren: Fassen Sie die Erkenntnisse aus den Aufgaben 1–3 zusammen. Erläutern Sie den Tathergang in einer zusammenhängenden Argumentation: Warum führt steigendes CO₂ dazu, dass kalkbildenden Lebewesen die Grundlage für den Aufbau ihrer Schalen entzogen wird oder bestehende Schalen zerstört werden? Nutzen Sie Reaktionsgleichungen und das Prinzip von Le Chatelier. Tragen Sie den Tathergang als Beweisstück auf Ihr Whiteboard ein und stellen Sie Ihren Tathergang anschließend im Plenum vor.
M3

Das Carbonat-Hydrogencarbonat-Gleichgewicht

Weiteres

Muschelgehäuse und Korallenskelette bestehen aus Kalk (Calciumcarbonat, Formel: CaCO3).

Calciumcarbonat ist sehr schlecht wasserlöslich. Auch unter Wasser liegt es überwiegend als Feststoff in der kristallinen Form vor. 

Schematische Darstellung von Kalk unter Wasser11

Kalkbildung aus den Ionen
Weiteres

Calciumhydrogencarbonat ist so gut wasserlöslich, dass es nur in gelöster Form vorliegt.

Schematische Darstellung der Lösung11

Weiteres

Calciumhydrogencarbonat und Calciumcarbonat stehen in einem Gleichgewicht miteinander. Vereinfacht können wir sagen: 

Ob nun also vermehrt Calciumhydrogencarbonat oder Calciumcarbonat vorliegen, hängt davon ab, ob die Lösung reich an Carbonat-Ionen ist oder an Hydrogencarbonat-Ionen. Und das hängt wiederum von der Kohlenstoffdioxidkonzentration ab.

Weiteres

Schauen wir uns die bereits bekannten Gleichgewichte rund um das Kohlenstoffdioxid noch einmal genauer an. Sie zeigen, wie die Ionen entstehen:

gasförmiges Kohlenstoffdioxid löst sich in Wasser
Bildung von Kohlensäure
Protolyse von Kohlensäure
Protolyse von Hydrogencarbonat
Im Alkalischen Milieu: Bildung von Carbonat
Weiteres

Überlegen wir zuerst einmal, was passiert, wenn die Lösung stark alkalisch ist und dann der pH-Wert immer kleiner wird.

Schauen wir uns dann folgendes Diagramm an. Es zeigt exakt, wieviel Kohlenstoffdioxid, Hydrogencarbonat oder Carbonat bei welchem pH-Wert vorliegen: 

Der Anteil an Kohlenstoffdioxid-Hydrogencarbonat-Carbonat im Meerwasser in Abhängigkeit vom pH-Wert.12

Schritt 4 – Vom Tatort zur globalen Dimension

Ischia als Untersuchungsort war kein Zufall. Die Forschenden haben diesen Ort bewusst gewählt – weil der natürliche pH-Gradient dort abbildet, was sich global ankündigt.

  1. Lesen Sie M4 und werten Sie das Diagramm zur Entwicklung des globalen pH-Werts aus. Beschreiben Sie, wie sich der pH-Wert der Meere seit 1850 verändert hat und welche Entwicklung die drei Szenarien bis 2100 projizieren.
  2. Erläutern Sie die Aussage: „Kalkbildende Lebewesen bekommen selbst im günstigsten Szenario Probleme“.
  3. Nehmen Sie Stellung: Stellt die Ozeanversauerung aus ihrer Sicht einen problematischen menschlichen Eingriff in Stoffkreisläufe dar? Begründen Sie ihre Aussage und tragen Sie sie in die gemeinsame Planetare-Grenzen-Übersicht ein.
M4

Ergebnisse der Messungen und Prognosen weltweit

Beobachtungsergebnisse von Hall-Spencer

Allgemein konnten Hall-Spencer und sein Team beobachten, dass kalkbildende Organismen wie Schnecken, aber auch Seeigel und Korallen in derartigen Gebieten kaum existieren.

  • Durch die Schwächung der Kalkgehäuse werden Schnecken anfälliger für Raubfeinde.
  • Junge Schnecken entwickeln sich kaum in Regionen mit pH-Werten von pH ≤ 7,4.

Die Forschungsergebnisse betonen, dass eine langfristige Absenkung des pH-Werts durch die heutige CO2-Erhöhung ähnliche Effekte global hervorruft. Zusammen mit der zunehmenden Erwärmung sind z. B. Korallen damit auf zwei Wegen gleichzeitig gefährdet.

Warum diese Ergebnisse wichtig sind: Schnecken sind primäre Nahrung für viele Meeresbewohner. Ihr Verlust stört die Nahrungskette. Der Verlust von Korallenriffen mit ihrer hohen Artenvielfalt ist eine noch gravierendere Folge der Ozeanversauerung!

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Vereinfachte schematische Darstellung auf Grundlage publizierter Beobachtungs- und Modellierungsdaten.13

Glückwunsch: Sie haben den Tathergang aufgeklärt: Anstieg der CO2-Konzentration bedingt eine Erniedrigung der Carbonat-Konzentration im Meerwasser – Kalkbildung wird erschwert. Und jeder weiß ja auch: Kalk löst sich in Säure auf.

Aber das Meerwasser ist heute noch alkalisch. Warum zeigen Schnecken, Korallen und Seeigel trotzdem schon jetzt Probleme?
Wer dieser Frage nachgehen möchte, findet hier eine Antwort.

Schritt 5 - freiwillig - warum gibt es bereits im leicht alkalischen Milieu Probleme

  1. Lesen Sie den Text und betrachten Sie die Abbildung oder schauen Sie sich das Video an.
  2. Erläutern Sie in eigenen Worten, warum kalkbildende Organismen bereits im schwach alkalischen Milieu Schwierigkeiten haben, Kalkskelette aufzubauen – obwohl Kalk unter diesen Bedingungen nicht gelöst wird.
  3. Ergänzen Sie gerne noch die ein oder andere Erkenntnis als letztes Beweisstück in Ihrer Fallakte.
M5

Komplexere Zusammenhänge - für Interessierte

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Noch ist das Meerwasser nicht sauer. Warum haben Schnecken, Korallen, Algen aber bereits jetzt Probleme, Kalk zu produzieren? Dazu muss man verstehen, dass all diese Lebewesen an die lange Zeit vorherrschende Situation im Meer angepasst waren.

Kalkbildende Lebewesen bauen ihre Schalen und Skelette nicht durch passives Ausfällen von Calciumcarbonat auf. Dieser Prozess ist aktiv gesteuert und erfordert Energie.
Im Inneren spezialisierter Zellen oder Zellräume (Kalkbildungsraum) entstehen aus Hydrogencarbonat-Ionen (HCO3) zunächst Carbonat-Ionen (CO32-). Dabei entstehen Protonen (H+), die aktiv aus dem Kalkbildungsraum herausgeschleust werden müssen – durch spezialisierte Protonenkanäle (bei Seeigellarven Otopetrin, bei Kalkalgen der Hv1-Kanal). Dieser Kanal funktioniert jedoch nur unter bestimmten pH-Bedingungen optimal und wird mit sinkendem pH im Außenmedium zunehmend beeinträchtigt.15

Neuere Untersuchungen zeigen zudem, dass Hydrogencarbonat-Ionen an den allerersten Schritten der Kalkbildung beteiligt sind: Sie beeinflussen die Bildung winziger Calciumcarbonat-Cluster, aus denen später die eigentlichen Kristalle entstehen. Dazu wird ein bestimmtes Verhältnis benötigt. Ob und wie eine Verschiebung die Kristallbildung beeinflusst, ist Gegenstand aktueller Forschung.16

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Vereinfachte schematische Darstellung der Biomineralisation und möglicher Auswirkungen der Ozeanversauerung auf kalkbildende Organismen.17

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Dr. Sebastian Rokitta vom Alfred-Wegener-Institut erklärt noch andere Auswirkungen der zunehmenden Versauerung des Meerwassers anhand von Kalkalgen:

Video zu den konkreten Folgen der Versauerung18

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Ein mutmachender Bericht, in dem zwar nicht die Ursachen aber immerhin die Symptome bekämpft werden.

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