LNCU

LEBENSNAHER CHEMIEUNTERRICHT

2.0
SUCHERGEBNISSE: 275
Chemie
Sekundarstufe II
Elektrochemische Prozesse & Energetik
Energetik
Datum:

Von der Enthalpie zur Gibbs-Helmholtz-Gleichung

Warum sich bestimmte Salze unter Abkühlung auflösen

25.06.2026
42416
39

LNCU.de
ID 42416

CC-BY-SA 4.0Online abrufen
David WeningerDavid Weninger
0
Die Idee dahinterPDF
Weiteres

Bei der Nutzung von Hotpots oder Kältekissen fällt ein Widerspruch auf: Das lösen von Calciumchlorid verläuft stark exotherm. Doch auch Kaliumchlorid oder Natriumchlorid lösen sich vollkommen freiwillig (spontan), obwohl der Vorgang endotherm ist und der Umgebung Energie in Form von Wärme entzieht.

Lösen von Calciumchlorid ist exotherm
Lösen von Kaliumchlorid ist endotherm

Wenn Stoffe immer den Zustand niedrigster Energie anstreben, warum löst sich Ammoniumchlorid in Wasser dann überhaupt unter Abkühlung freiwillig auf?

Ich glaube, es muss hierfür eine zweite Triebkraft geben!

Aufgaben

  1. Vollziehen Sie in M1 nach, was die Entropie ist.
  2. Berechnen Sie nach dem Beispiel in M1 die molaren Standardlösungsentropien für das Lösen der Salze aus dem vorherigen Material.
M1

Die Entropie: Ein Maß der Unordnung

Weiteres

Die Enthalpieänderung kann nicht die alleinige Triebkraft für die Spontaneität einer chemischen Reaktion sein. Es existiert eine zweite, fundamentale Zustandsgröße, die den Ablauf von Prozessen steuert: Die Entropie S.

Sie ist ein Maß für den statistischen Ordnungszustand eines Systems bzw. für die Verteilung von Energie und Teilchen im Raum (Maß der Unordnung). Nach dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik strebt jedes System immer den Zustand mit der größten Unordnung und Verteilung von Teilchen und Energie im Raum an.

Prozesse laufen in der Natur also dann von selbst ab, wenn sich dadurch die Unordnung im System vergrößert (Entropiezunahme, ΔS > 0), weil ein ungeordneter Zustand statistisch viel wahrscheinlicher ist als ein streng geordneter Zustand.

Weiteres

Beim Lösen eines Salzes lässt sich das Entropie-Konzept auf der Teilchenebene nachvollziehen:

Ausgangszustand: Die Ionen befinden sich auf geordneten, fixierten Plätzen innerhalb des Ionengitters. Die Wassermoleküle bewegen sich frei in der flüssigen Phase.

Endzustand: Nach dem Überwinden der Gitterenthalpie und dem Einsetzen der Hydratation verteilen sich die solvatisierten Ionen statistisch ungeordnet im gesamten zur Verfügung stehenden Raum (Lösungsvolumen).

Durch das Auflösen des Ionengitters nimmt die Anzahl der Bewegungsmöglichkeiten der Teilchen drastisch zu. Das System erfährt also beim Übergang vom Feststoff zur Lösung einen Entropiegewinn.

Molare Standardentropien

Molare Standardentropien diverser Salze und ihrer Ionen.1

Weiteres

Ebenso wie die Enthalpie ist die Entropie eine Zustandsgröße. Die Änderung der Entropie im Zuge einer chemischen Reaktion ist also unabhängig vom Reaktionsweg und ausschließlich vom Anfangs- und Endzustand des Systems abhängig.

Die molare Standardlösungsentropie ΔLoesS0beschreibt hierbei die Änderung der Entropie, wenn 1 mol einer Substanz unter Standardbedingungen vollständig in einem Lösungsmittel aufgelöst wird.

Berechnung der Standardreaktionsentropie

Die molare Standardreaktionssentropie ΔrS0m (beim Lösen von Salzen würde man eher molare Standardlösungsentropie ΔLoesS0m sagen), lässt sich über die molaren Standardentropien der beteiligten Komponenten berechnen:

Für eine allgemeine Reaktion ...
... gilt:
Für das Lösen von Natriumchlorid ...
... gilt:
Standardentropien ensetzen:
ergibt:

Aufgaben

  1. Vollziehen Sie in M2 nach, was mit der freien Reaktionsenthalpie gemeint ist.
  2. Berechnen Sie nach dem Beispiel in M2 die freien Lösungsenthalpien für das Lösen der Salze unter Standardbedingungen. Nutzen Sie hierfür ihre Werte aus dem vorherigen Material und aus A2.
M2

Die Gibbs-Helmholtz-Gleichung

Weiteres

Ob ein chemischer Prozess – wie das Auflösen eines Salzes im Hotpot oder im Kältekissen – unter gegebenen Bedingungen freiwillig (spontan) abläuft, wird in der Natur von zwei fundamentalen Tendenzen gesteuert:

Das Prinzip des Energieminimums (Enthalpiegetrieben): Das System strebt nach dem Zustand niedrigster Enthalpie. Exotherme Reaktionen (ΔH < 0) sind energetisch begünstigt.

Das Prinzip des Ordnungsminimums (Entropiegetrieben): Das System strebt nach dem Zustand maximaler Unordnung bzw. größter Wahrscheinlichkeit der Teilchen- und Energieverteilung. Reaktionen mit einer Entropiezunahme (ΔS > 0) sind statistisch begünstigt.

Beide Prozesse wirken bei vielen Prozessen in entgegengesetzte Richtungen. Sie müssen miteinander verrechnet werden, um die energetische Gesamtbilanz eines Systems zu erfassen. Diese mathematische Verknüpfung leisteten die Physiker Josiah Willard Gibbs und Hermann von Helmholtz

Gibbs-Helmholtz-Gleichung für Prozesse unter Standardbedingungen

ΔrG

Gibbs-Energie oder freie Reaktionsenthalpie. Maß für die Spontaneität einer Reaktion.

ΔrH

Reaktionsenthalpie

T

Temperatur

ΔrS

Reaktionsentropie

Das Spontaneitätskriterium

ΔrG < 0 (exergonisch): Die Reaktion läuft unter den gegebenen Bedingungen freiwillig / spontan ab (vom Ausgangszustand hin zum Gleichgewichtszustand).

ΔrG > 0 (endergonisch): Die Reaktion läuft unter den gegebenen Bedingungen nicht freiwillig / spontan ab. Sie benötigt permanent Energiezufuhr von außen.

ΔrG = 0: Das System befindet sich im chemischen Gleichgewicht.

Anwendung am Beispiel von NaCl
Molare Standardlösungsenthalpie von NaCl
Molare Standardlösungsentropie von NaCl
In Gibbs-Helmholtz-Gleichung einsetzen bei Standardtemperatur

Ergebnis: ΔG ist negativ, d.h. der Auflöseprozess von Natriumchlorid in Wasser läuft freiwillig ab. Der Prozess ist entropiegetrieben

M3

Vier thermodynamische Fälle

Weiteres

Vier thermodynamische Fälle.2

Teilen

Von der Enthalpie zur Gibbs-Helmholtz-Gleichung
Warum sich bestimmte Salze unter Abkühlung auflösen
https://lncu.de/material/von-der-enthalpie-zur-gibbs-helmholtz-gleichung/